ChatGPT hat einen eigenen Index: SEO für Google reicht nicht mehr
Bild KI-generiert
Es gibt viele Hinweise darauf, dass ChatGPT einen Suchindex verwendet. Präsenz in Google und Bing alleine genügen damit nicht mehr.
Bisher konnte man davon ausgehen, dass ChatGPT zumindest den größten Teil seiner Web-Ergebnisse bei Bing und Google oder aus Daten abruft, die auf Bing- und Google Ergebnissen basieren. Das war bequem, denn wer in den Suchmaschinen gute Rankings erzielte, tauchte sehr wahrscheinlich auch in ChatGPT auf.
Nach Zahlen vom Juli (Profound) gab es zwischen den Ergebnissen von ChatGPT und Google eine Überlappung von 33 Prozent; mit Bing waren es acht Prozent.

Es ist aber gut möglich, dass diese Zeiten vorbei sind, denn OpenAI betreibt sehr wahrscheinlich bereits seit Jahren einen eigenen Suchindex mit dem Namen Labrador. Eine Recherche von Tomek Rudzki bei Peec AI und eine Datenauswertung der französischen Agentur Resoneo, veröffentlicht bei Search Engine Land liefern klare Hinweise für diese These.
Labrador besteht aus vielen Einzelindizes
Zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juli 2026 tauchte im Datenstrom von ChatGPT ein Feld namens result_source auf. Es trug nur vier Werte: labrador, bright, oxylabs und serp. Die letzten drei stehen für externe Dienstleister, die Google Ergebnisse abgreifen. Labrador ist OpenAIs eigener Index. Im Juli verschwand das Feld aus dem Stream.
Dahinter steckt eine ganze Reihe getrennter Indizes, jeder auf einen Inhaltstyp zugeschnitten:
- allgemeiner Web-Index
- YouTube
- News, getrennt nach den letzten 24 Stunden, den letzten sieben Tagen und allem Älteren
- arXiv
- Wikipedia
- lokale Ergebnisse
- Finanzen, mit eigenem PDF-Index
- Recht
- Medizin
- Shopping
- Bilder
Gespeichert wird für jedes Dokument all das, was auch Google speichert: der vollständige Seiteninhalt, das Crawl-Datum und das Veröffentlichungsdatum.
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Stellenanzeigen und Gerichtsakten sprechen für den Aufbau eines eigenen Indexes
Die Ausschreibung von OpenAI für einen Engineering Manager, Online Data Systems nennt ein Team, das die zentralen Datenbank- und Indexdienste hinter ChatGPT baut und betreibt, und das über mehrere Regionen und Clouds hinweg und im Exabyte-Bereich. Ein Exabyte sind 1.000 Petabyte - und ein Petabyte sind 1000 Terabyte.
Eine zweite Ausschreibung richtet sich an Entwickler für Indexierungssysteme, Retrieval-Pipelines und Serving-Layer, ausdrücklich für Dense, Sparse und hybride Verfahren. Sparse Repräsentationen sind die Sprache von TF-IDF und BM25, also der lexikalischen Bewertung, auf der Google groß geworden ist. Zusammen mit Embeddings ergibt das genau den Aufbau, den man für Reciprocal Rank Fusion braucht. Metehan Yesilyurt hat dieses Verfahren bei ChatGPT als einer der Ersten dokumentiert.
Aus Gerichtsakten lässt sich ablesen, wann OpenAI mit dem Aufbau eines eigenen Indexes begonnen hat. Nick Turley, bei OpenAI für ChatGPT verantwortlich, sagte im Google Kartellverfahren unter Eid aus, dass die Suchdaten der Nicht-Google-Partner erhebliche Qualitätsprobleme aufwiesen. OpenAI habe mit Google zusammenarbeiten wollen, Google habe dies aber abgelehnt. Also baute OpenAI ab 2023 einen eigenen Index mit dem erklärten Ziel, bis Jahresende 80 Prozent aller Anfragen daraus zu beantworten. In derselben Aussage nannte Turley eine weitere Zahl: Selbst mit vollem Zugriff auf den Google Index würde es mindestens fünf Jahre dauern, um überhaupt herauszufinden, ob 100 Prozent erreichbar sind.
Woran kann man Ergebnisse aus dem ChatGPT Index erkennen?
Titellänge
Bing kappt Titel bei 75 Zeichen. Resoneo hat 1.200 ChatGPT Antworten mit 88.000 Suchergebnissen und 26.900 Einzelseiten ausgewertet und gemessen, dass 24 Prozent der Labrador-Titel über dieser Grenze liegen. Der längste erfasste Titel war 289 Zeichen lang. Die über Scraping bezogenen Google Ergebnisse verhalten sich anders: Titel enden nach rund 60 Zeichen mit Auslassungspunkten, Snippets (Descriptions) liegen bei etwa 160 Zeichen.
Wenn man in einer ChatGPT Antwort einen ungekürzten, auffällig langen Seitentitel sieht, stammt das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit aus OpenAIs eigenem Index.
Am Snippet, das sich nie ändert
Labrador liefert pro Treffer drei Dinge: die URL, den vollen Titel und einen Textausschnitt von rund 200 Zeichen. Dieser Ausschnitt wird beim Indexieren geschnitten und danach unverändert ausgeliefert. Fragt man zu derselben URL nach dem Preis oder nach der Geschichte eines Produkts, bekommet man denselben Text ausgespielt. Google und Bing passen ihre Snippets seit rund zwei Jahrzehnten an die Suchanfrage an.
Am Abgleich mit Bing
Für den Abgleich mit Bing nimmt man zehn Prompts aus dem interessierenden Themenfeld, sammelt die von ChatGPT angezeigten Quellen und überprüft, wie viele davon in den Bing Top-20 zu denselben Begriffen auftauchen. Bei Resoneo waren es gerade einmal 1,5 Prozent. Kein einziges Labrador-Snippet stimmte mit einem Bing Snippet überein.
Am Lockdown-Modus
ChatGPT bietet in den Einstellungen einen Modus, in dem keine Live-Abrufe stattfinden, gespeicherte Inhalte aber weiterhin ausgegeben werden. Peec AI hat das mit den Startseiten mehrerer SEO-Publikationen getestet und aktuelle Inhalte zurückbekommen, ohne dass ChatGPT die Seiten abgerufen hätte. Was auf diese Weise in den Antworten von ChatGPT erscheint, liegt dort gespeichert. Was fehlt, hat es bisher nicht in den Bestand geschafft.
An den Serverlogs
In den Logs lassen sich zwei Zugriffsarten trennen. ChatGPT-User holt Seiten live, während eine Antwort entsteht. OAI-SearchBot ist der Crawler für die Suche. Resoneo legte Testseiten mit vollständigem Logging an und sah dort kaum OAI-SearchBot-Zugriffe, obwohl der Index weiter Ergebnisse zu diesen Seiten lieferte. Welcher Robot Labrador befüllt, ist bis heute offen.
Wie viel OpenAI crawlt, zeigt ein Experiment von Metehan Yesilyurt. Er stellte eine Testsite mit einer Milliarde Seiten online. Anfang September 2026 hatte ChatGPT davon sechs Millionen abgerufen, mit rund 35.000 Anfragen pro Stunde.
An Impressionen in der Search Console
Malte Landwehr wählte eine Website ohne organischen Traffic und stellte an bestimmten Tagen ausschließlich ChatGPT Fragen dazu. An genau diesen Tagen zeigte die Google Search Console Impressionen für die Domain. ChatGPT fragt also weiterhin bei Google an, auch wenn der eigene Index inzwischen den Löwenanteil liefert.
Caching: ChatGPT speichert Seiten
Neben dem Index betreibt OpenAI einen eigenen Lese-Cache. Darin liegen vollständige Seiten, von HTML nach Markdown konvertiert, abgelegt nach URL und geteilt über alle Nutzer und Tarife hinweg. Löst ein zahlender Nutzer einen Abruf aus, bekommt eine Woche später ein kostenloser Nutzer an einem anderen Ort dessen Kopie.
Wie oft Seiten neu gelesen werden, hängt davon ab, wie oft die Nutzer danach fragen. Beliebte Seiten bleiben frisch, unbeachtete Seiten altern.
Vier Details daraus sind für die technische Arbeit wichtig:
- Cache-Control: no-store und noindex werden ignoriert.
- JavaScript wird nicht ausgeführt. Client-seitig nachgeladene Inhalte existieren für ChatGPT nicht.
- Die Obergrenze sind 4 MB. Größere Seiten werden mit HTTP 400 abgewiesen und gar nicht gelesen. Eine Kürzung findet nicht statt.
- Skripte, iframes und JSON-LD fallen bei der Konvertierung weg. Strukturierten Daten erreichen das Modell auf diesem Weg nicht. Alt-Texte von Bildern bleiben erhalten, ebenso per CSS ausgeblendeter Text.
Google und Microsoft sind weiter im Spiel
Die klassische Suche ist damit nicht abgelöst. Rudzki zählt mindestens acht externe Zulieferer neben dem eigenen Crawler: Bright Data für Google-Web und Google Maps, Oxylabs für Google und speziell für News, einen dritten SERP-Kanal, Yelp, TripAdvisor, zwei nicht identifizierte interne Pipes sowie Microsofts Grounding-Plattform Web IQ. Microsoft nennt ChatGPT auf der eigenen Produktseite ausdrücklich als Kunden, neben Copilot und Nasdaq.
Ein Punkt für die Einordnung: Web IQ ist ein eigenes Produkt mit eigenem Zweck. Was in Auswertungen nach Bing aussieht, kann über Web IQ gelaufen sein.
Wie stark der eigene Index durchschlägt, hängt vom Modus ab. Resoneo hat im August 2026 dieselben Prompts über alle ChatGPT-Konfigurationen gespielt. Im kostenlosen Think-Modus stammen 74,7 Prozent der Ergebnisse aus Labrador und 3,1 Prozent aus gescrapten Google Web-Ergebnissen. Im bezahlten Thinking-Modus stammten dagegen 75,3 Prozent aus Google Scraping, 24,7 Prozent aus Labrador.
Über 90 Prozent der ChatGPT Nutzer sind im kostenlosen Tarif unterwegs. Kostenlos heißt Instant, und Instant heißt Labrador.
Welche SEO-Maßnahmen sich daraus ableiten lassen
Sichtbarkeit in Google und Bing reicht nicht mehr als Messgröße aus
Wer die Sichtbarkeit in ChatGPT verbessern will, muss sich um die Indexierung in Labrador kümmern.
Längere Titel erstellen
Titel erreichen ChatGPT ungekürzt. Eine Begrenzung auf 55 oder 60 Zeichen ist unter Umständen eine Einschränkung, die Potenzial kostet. Das gilt übrigens schon längst auch für Google, denn der Titel ist Rankingfaktor. Nur weil Google nicht mehr als 60 Zeichen darstellt, sollte man nicht auf wichtige Keywords im Titel verzichten.
Die ersten 200 Zeichen nach der H1 entscheiden mit
Im Instant-Modus von ChatGPT ist das der einzige Fließtext der Seite, den das Modell zu sehen bekommt. Kategoriezeilen, Datumsangaben, Autorenboxen und Inhaltsverzeichnisse zwischen Überschrift und erstem Satz nehmen Platz ein. Die Kernaussage gehört direkt unter die Überschrift.
Technische Grenzen prüfen
Datenmenge der Seiten unter 4 MB, Lesbarkeit auch ohne JavaScript, informative Alt-Texte weit oben. Bei aufgeblähten Templates ist die 4-MB-Marke schneller erreicht, als viele erwarten, und die Seite fällt dann komplett heraus.
Shopping und Local laufen an der Websuche vorbei
Produktergebnisse in ChatGPT kommen aus Merchant-Feeds, lokale Ergebnisse aus Yelp und TripAdvisor, während die angezeigten Links auf Google Maps zeigen. Wer Produkte verkauft oder ein Ladengeschäft betreibt, sollte auf diese Kanäle setzen.
Verticals mitdenken
PDF, YouTube, News, arXiv und Wikipedia haben eigene Indizes. Ein technisches Whitepaper als PDF, ein Video mit sauberem Transkript oder ein gepflegter Wikipedia-Eintrag laufen über andere Wege in den Bestand als Ihre Ratgeberseite. Für Fachthemen ist das oft der leichtere Weg.

























