KI im Journalismus: Fortune steigert News-Produktion durch, Wall Street Journal beeindruckt
Beim US-Wirtschaftsmagazin Fortune hat der Einsatz von KI zu einer deutlichen Steigerung der Newsproduktion geführt. In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 machten KI-gestützte Artikel bereits knapp 20 Prozent des gesamten Web-Traffics von Fortune aus.
Redakteur Nick Lichtenberg erstellte in nur sechs Monaten mehr als 600 Artikel; mehr als jeder seiner Kollegen in einem ganzen Jahr. An manchen Tagen verfasste er bis zu sieben Stories.
Der Arbeitsprozess von Lichtenberg besteht häufig darin, Pressemitteilungen oder Notizen von Analysten in KI-Tools wie Google NotebookLM oder Perplexity einzugeben. Die KI erzeugt daraufhin einen Entwurf, den er anschließend bearbeitet und veröffentlicht.
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Das Management von Fortune unterstützt diese Strategie. Chefredakteurin Alyson Shontell sieht in KI die Möglichkeit, Wettbewerbsnachteile gegenüber größeren Medienhäusern auszugleichen und Fortune zu einer täglichen Anlaufstelle für Leser zu machen. Unter dem Namen "Fortune Intelligence" werden Artikel nun gemeinsam mit Chatbots verfasst. Die Redaktion betont, dass in jeder Phase menschliche Aufsicht erforderlich sei. Darüber wird KI für die Erstellung von Grafiken und die Umwandlung von Newslettern in Podcasts genutzt.
Diese Herangehensweise lobte auch Emma Tucker, Chefredakteurin des Wall Street Journal. Sie forderte ihre eigene Belegschaft auf, sich an Fortune ein Beispiel zu nehmen, und merkte an, dass Kritiker dieses Ansatzes den Journalismus schleunigst verlassen sollten.
Der zunehmende Einsatz von KI im Journalismus
Fortune steht für einen Branchentrend. Auch die Plattform Axios lockerte kürzlich ihre bisherigen Richtlinien, die vorsahen, dass alle Inhalte von echten Menschen geschrieben sein müssen. Diese Regeln wurden als unnötig einschränkend empfunden.
In vielen Nachrichtenredaktionen wird KI zunehmend für alltägliche, zeitaufwändige Aufgaben wie Transkriptionen, Übersetzungen und die Erstellung von Zusammenfassungen eingesetzt.
In bestimmten Bereichen wie zum Beispiel für die Erstellung von Börsen- oder Sportberichten kann die KI inzwischen sogar Inhalte komplett selbständig erzeugen.
Diesere Wandel birgt allerdings einige Risiken für den Journalismus:
- Fehler und Halluzinationen: KI-Modelle können Fakten erfinden oder Informationen falsch zusammenfügen.
- Verlust kritischer Fähigkeiten ("Deskilling"): Zu viel Bequemlichkeit kann kritisches Denken reduzieren, wenn man sich blind auf die KI verlässt .
- Journalismus setzt menschliche Eigenschaften wie Empathie, Sensibilität und Rechenschaftspflicht voraus, die KI nicht abbilden kann. Es fehlt ihr an Lebenserfahrung und Weltverständnis.
Trotz dieser Einschränkungen bietet KI im Journalismus ein großes Potenzial zur Effizienzsteigerung und Personalisierung. Medienhäuser stehen dabei vor der kritischen Aufgabe, ein echtes Gleichgewicht zwischen technologischem Fortschritt und ihrer Mission zu finden: nämlich der Bereitstellung verlässlicher, origineller und gut recherchierter Informationen für die Leserinnen und Leser.
























