Grounding Pages für GEO: Bringt das wirklich etwas?
Sind Grounding Pages notwendig und hilfreich, um die Sichtbarkeit in der KI zu optimieren? Wie erstellt man Grounding Pages: der große Ratgeber.
Immer mehr Menschen nutzen KI zur Suche nach Informationen. In diesem Zusammenhang rückt die Generative Engine Optimization (GEO) als Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung (SEO) immer mehr in den Fokus. Und damit auch das Konzept der sogenannten Grounding Pages. Was hat es damit auf sich, und muss das wirklich sein?
Was sind Grounding Pages und wozu braucht man sie?
Grounding Pages sind nichts anderes als offene, Fakten-Seiten, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind, von Maschinen gelesen zu werden. Sie helfen Organisationen, ihre wichtigsten Entitäten wie Marken, Produkte, Personen so zu definieren, dass KI-Systeme sie fehlerfrei interpretieren, korrekt klassifizieren und zuverlässig zitieren können.
Hier besteht oftmals schon das erste Missverständnis: Grounding Pages dienen nicht in erster Linie der Maximierung der Sichtbarkeit, sondern der Vermeidung von Fehlern und Halluzinationen.
Hinweis: Eine gute Wissensbasis zum Thema ist die offizielle Website des Grounding Page Projects. Sie wird betrieben von Hanns Kronenberg, der sich dem Thema intensiv widmet.
KI-Systeme (LLMs) nutzen für ihre Antworten oft Retrieval-Augmented Generation(RAG), bei dem sie Live-Informationen aus dem Web BRUFEN (Grounding), um verlässliche Antworten zu generieren. Grounding Pages zielen darauf ab, vier strukturelle KI-Risiken zu minimieren:
- Halluzinationen: Die KI muss keine fehlenden Fakten erraten, weil diese klar bereitstehen.
- Entitäts-Verwechslungen: Ähnliche Namen oder Konzepte werden sauber voneinander abgegrenzt.
- Nicht-Erwähnung: Die Entität wird nicht ignoriert, weil die Signale stark und eindeutig sind.
- Englisch-dominanz: Lokale oder nicht-englische Entitäten werden von KIs oft benachteiligt; starke Fakten-Layer wirken dem entgegen.
Was sollte auf einer Grouding Page enthalten sein?
Eine Grounding Page liefert sogenanntes Entity-level grounding. Sie sollte klare Definitionen, strukturierte Aussagen, zitierfähige Beweise, Belege, Referenzen und Abgrenzungen zu ähnlichen Begriffen oder Wettbewerbern enthalten.
Marketing-Floskeln, subjektive Interpretationen und dynamische Live-Daten wie sich ständig ändernde Produktlisten sollten dagegen nicht auf Grounding Pages enthalten sein. Es geht um eine stabile, nüchterne Faktenbasis – ähnlich wie bei einem guten Wikipedia-Artikel.
Exemplarische Gliederung einer Grounding Page
Eine gut funktionierende Grounding Page orientiert sich stark am Aufbau eines guten Lexikon- oder Wikipedia-Artikels. Sie sollte von oben nach unten die wichtigsten W-Fragen der KI-Systeme beantworten. Hier ist eine typische Struktur:
- Titel und Eindeutige Definition (Lead-Paragraph): Der allererste Satz muss die Entität klar definieren. Beispiel: "Die [Muster GmbH] ist ein 2012 gegründeter deutscher Softwarehersteller mit Sitz in Berlin, der sich auf Logistik-Schnittstellen spezialisiert hat."
- Kernfakten (Steckbrief): Eine gut strukturierte Liste oder Tabelle mit harten Fakten.
- Rechtsform und vollständiger Name
- Gründungsjahr und Gründer
- Hauptsitz und wichtige Standorte
- Schlüsselpersonen (Geschäftsführung)
- Kernmarken oder Produkte
- Abgrenzung zu ähnlichen Entitäten: Ein eigener Absatz, der klärt, was das Unternehmen nicht ist oder womit es oft verwechselt wird. Beispiel: "Die Muster GmbH (Karlsruhe) ist nicht zu verwechseln mit der Muster AG (Koblenz), die in der Lebensmittelbranche tätig ist."
- Kernkompetenzen & Leistungen: Eine sachliche, unaufgeregte Aufzählung der tatsächlichen Dienstleistungen oder Produktkategorien.
- Historie & Meilensteine: Die Entwicklung der Entität in chronologischer Reihenfolge.
- Referenzen & Quellen (Citations): Links zu offiziellen Registern (z.B. Handelsregister), dem eigenen Impressum oder wichtigen, verifizierbaren Pressemitteilungen, um die genannten Fakten zu belegen.
Die Technik: Format, Markup, strukturierte Daten etc.
Grounding Pages bauen auf etablierten Web-Standards auf:
- HTML & Text: Die Seite besteht aus semantisch sauberem HTML mit klaren Überschriften und Absätzen. Reine Markdown-Konvertierungen (.md) sind nicht nötig, da KIs HTML sehr gut verstehen (sofern der Text kein Marketing-Sprech ist).
- Schema.org: Strukturierte Daten (Schema.org) sind das "Skelett" (z. B. Rechtsform, Gründungsjahr, Ort). Die Grounding Page ist das "Fleisch" – sie liefert den Kontext im Fließtext, den LLMs benötigen, um Zusammenhänge zu begreifen. Beides zusammen ist ideal.
Kann die KI nicht auch normale HTML-Seiten lesen?
Moderne Crawler können HTML perfekt parsen. Das Problem ist der Inhalt. Wenn eine KI eine normale Landingpage liest, findet sie oft vor allem Marketinginhalte und nur wenig harte Fakten. KI-Systeme benötigen für ihre Vektor-Suche jedoch eine hohe Informationsdichte und klare Strukturen, ohne sich durch Füllwörter arbeiten zu müssen.
Unterschiede zwischen Grounding Pages und Über-uns-Seiten
Auch wenn man eine bestehende Über-uns-Seite theoretisch zur Grounding Page umbauen könnte, dienen diese beiden Arten von Seiten meist unterschiedlichen Zwecken:
- Über-uns-Seiten (für Menschen): Sollen verkaufen, Vertrauen aufbauen und Emotionen wecken.
- Grounding Pages (für KI): Sollen erklären und Fakten liefern. Sie sind für den Abruf durch KI-Systeme optimiert. Das bedeutet: hohe Informationsdichte, Fokus auf Logik, Antizipation von Frage-Antwort-Mustern und kompletter Verzicht auf werbliche Füllwörter.
Beispiele für Grounding Pages
Es gibt bereits zahlreiche Implementierungen von Grounding Pages, die alle einem sehr enzyklopädischen, lexikalischen Aufbau folgen. Bekannte Beispiele sind:
- SMX Munich 2026 (Klare Definition des Events)
- Sendungsverfolgung (Faktische Definition des Konzepts)
- CERN (Fakten zur Organisation)

Abbildung: Beispiel einer Grounding Page - hier für das CERN
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Wie baut man eine Grounding Page? Schritt für Schritt
Das Erstellen einer Grounding Page ist mit wenigen Schritten möglich. Wichtig ist dabei, die richtigen Informationen zu sammeln. Die technische implementierung ist dann nur noch Formsache. Hier die einzelnen Schritte:
- Entitäten identifizieren: Überlege, welche Marken, Personen oder Kernprodukte eine stabile, unmissverständliche Definition für KI-Systeme benötigen.
- Inhalte erstellen: Baue die Seite nüchtern und faktisch auf. Nutze eine klare Struktur (Wer/Was, Geschichte, Eigenschaften, Abgrenzung). Streiche jedes einzelne werbliche Adjektiv.
- Auffindbarkeit: Verlinke die Seite siteweit, am besten im Footer, damit Crawler sie verlässlich finden und die strukturelle Relevanz erkennen.
Ist eine Grounding Page nicht Duplicate Content?
Nein. Eine echte Grounding Page bereitet die Informationen in einer anderen strukturellen Form auf. Sie unterscheidet sich in Informationsdichte, Tonalität und Aufbau von deinen klassischen, werblichen Verkaufsseiten oder Blogartikeln.
Kann die niedrige CTR von Grounding Pages nicht ein schlechtes Signal gegenüber Google sein?
Hier gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Während auf der Website des Grounding Page Project darauf verwiesen wird, dass es bei Grounding Pages gar nicht um Klicks gehe, sondern darum, Informationen für die KI zu liefern, könnte man auch damit argumentieren, dass jede Impression für eine Grounding Page in der Google Suche, auf die kein Klick folgt, als negatives Signal für die Seite und die Website insgesamt betrachtet werden kann.
Allerdings sind Grounding Pages nur ein kleiner Teil der gesamten Website, und Google dürfte erkennen, dass solche Seiten einer anderen Intention dienen als normale Seiten. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass Grounding Pages einen negativen SEO-Effekt haben.
Sollten Grounding Pages indexierbar oder “noindex” sein?
Grounding Pages müssen indexierbar sein, denn Grounding funktioniert nur, weil KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews auf den Suchindex zugreifen, um ihre Antworten mit Live-Daten zu untermauern.
Wie viele Grounding Pages brauche ich auf meiner Website?
Hier gilt das sogenannte "Enhanced Entity Page"-Prinzip: Eine Seite pro Kern-Entität.
Man braucht nicht für jede URL, jeden Blogbeitrag oder jedes kleine Update eine eigene Grounding Page, sondern nur für die übergeordneten Konzepte, die klar definiert werden müssen: Das Unternehmen selbst, die Hauptmarke, die zentralen Produkte oder wichtige Schlüsselpersonen im Unternehmen.
In welchen Sprachen sollten Grounding Pages angeboten werden?
KI-Modelle werden überwiegend mit englischsprachigen Daten trainiert und ihre Such-Algorithmen bevorzugen oft englische Quellen. Lokale oder nicht-englische Entitäten werden dadurch systematisch benachteiligt. Daher lautet die Best Practice:
- Die Muttersprache der Entität: Unternehmen in der DACH-Region sollten die primäre Grounding Page auf Deutsch anbieten, um exakte lokale Suchanfragen zu bedienen.
- Zwingend eine englische Version: Um auf die Englisch-Dominanz der LLMs zu reagieren und sicherzustellen, dass globale KI-Systeme die eine Marke oder Website nicht übersehen oder falsch zuordnen, sollten immer auch englischsprachige Grounding Pages angeboten werden.
Kann man eine Grounding Page per KI erstellen?
ChatGPT, Claude oder Gemini sind gut geeignet, um eine Grounding Page zu bauen, wenn man der KI strikte Vorgaben macht. Das Sammeln der benötigten Informationen sollte man allerdings nicht der KI überlassen. Hier ein beispielhaftes Vorgehen:
- Man übergibt der KI eine bestehende Über-uns-Seite, eine Produkt-Broschüre und eine Liste mit harten Fakten.
- Es wird eine Liste von exemplarischen Grounding Pages bereitgestellt - zum Beispiel vom Grounding Page Project
- Per Prompt kann die KI dann auf Basis der bereitgestellten Informationen und Beispiele die gewünschte Grounding Page erstellen.
- Wichtig und unverzichtbar: Die Informationen auf der erzeugten Grounding Page sollten überprüft werden.
Lohnen sich Grounding Pages also?
Ob nun jeder Websitebetreiber Grounding Pages für seine Entitäten erstellen sollte, ist nicht klar zu beantworten. Dafür sprechen gemeldete Erfolge des Einsatzes solcher Seiten und der geringe Aufwand zum Erstellen der Seiten bei gleichzeitig geringem Risiko.
Dagegen spricht, dass es derzeit sicherlich viele Dinge im Bereich GEO gibt, die wichtiger oder mindestens so wichtig sind, zum Beispiel, dass KI-Bots überhaupt technisch auf die Inhalte einer Website zugreifen können. Grounding Pages können daher als eines von mehreren Todos auf die Liste.

























