Liz Reid von Google: Was Publisher bei der KI-Suche falsch verstehen
Liz Reid, Vice President Search bei Google, hat in einem Interview Missverständnisse von Publishern zur KI-Suche genannt. Wichtig sei es, neue Perspektiven zu beleuchten und nicht die gleiche Nachricht zum 1000. Mal zu bringen.
Die Integration von KI in Google ist eine der größten Transformationen der letzten Jahrzehnte, die es bei der Suche gab. Viele Publisher reagieren darauf mit Sorge und fürchten um ihren Traffic. Laut Liz Reid, der Leiterin von Google Search, basieren viele dieser Ängste jedoch auf falschen Annahmen. Das teilte sie in einem Interview bei AI Inside mit.
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Was Publisher laut Reid an der KI-Suche falsch verstehen
Der Irrglaube über Paywalls und sinkenden Traffic
Einige Publisher führen einen Rückgang ihrer Besucherzahlen auf KI zurück, obwohl sie in Wirklichkeit kurz zuvor eine Paywall eingeführt haben. Wenn man Nutzer für Inhalte bezahlen lässt, sinkt naturgemäß der Traffic, was nicht der Suchmaschine anzulasten ist.
Die Angst vor gestohlenen Antworten
Viele Publisher befürchten, dass ihre Nutzer Artikel nicht mehr lesen, weil KI die kompletten Antworten liefert. Reid erklärt im Interview, dass das bei einfachen Fakten wie dem Ergebnis eines Fußballspiels schon immer der Fall war, weil Nutzer hierfür ohnehin keine langen Artikel lesen wollten.
Das Verstecken von Inhalten
Aus Sorge, dass KI-Modelle mit ihren Inhalten trainiert werden, blockieren manche Publisher ihre Daten. Das sei jedoch kontraproduktiv, weil das Verstecken von Inhalten vor der KI dazu führe, dass sie von Nutzern gar nicht erst entdeckt werden können. Wenn Inhalte blockiert werden, sei die Auffindbarkeit nicht mehr. gegeben
Das Ignorieren von veränderten Nutzerbedürfnissen
Oft werde übersehen, dass sich das Verhalten der Nutzer ändert. Wenn beispielsweise der Video-Traffic eines Publishers steige, während der Web-Traffic sinke, liege das daran, dass Nutzer heute verstärkt andere Formate wie Videos oder Social Media bevorzugen.
Schreiben für die Suchmaschine statt für den Leser
Es sei ein Fehler, Inhalte nur für die Suchmaschine zu optimieren. Wenn Nutzer merken, dass ein Text nicht für sie, sondern für einen Algorithmus geschrieben wurde, würden sie dies mit der Zeit lernen und die Seite meiden.
Welche Inhalte in der KI-Suche Erfolg bringen
Um in den AI Overviews und personalisierten Suchergebnissen aufzufallen, müssen Inhalte einen echten Mehrwert bieten. Das lasse sich vor allem durch die folgenden Arten von Inhalten erreichen:
- Einzigartige Expertise und Tiefe: Erfolgreich seien Inhalte, die aktuelle relevante Expertise bieten und sich durch Detailreichtum auszeichnen. Es reiche nicht mehr aus, die tausendste Kopie derselben Nachricht zu veröffentlichen. Stattdessen seien interessante, eigene Perspektiven gefragt.
- Hintergründe statt reiner Fakten: Während die reine Meldung eines Sportergebnisses von der KI direkt beantwortet werde, klicken Nutzer weiterhin auf Artikel, die erklären, warum ein Spiel außergewöhnlich war.
- Exklusive und lokale Daten: Besonders für kleine und lokale Publisher biete die KI-Suche große Chancen. Wenn ein Publisher zu einer Quelle für tiefergehende, schwer zugängliche Informationen werde, etwa durch das Transkribieren lokaler Bürgerversammlungen oder das Digitalisieren von Speisekarten örtlicher Restaurants, wecke das starkes Interesse. Dadurch könnten Publisher sichtbarer werden.
Welche Maßnahmen Publisher laut Reid ergreifen sollten
Reid empfiehlt Verlagen und den Urhebern von Inhalten eine Reihe von strategischen Maßnahmen, um die neuen Technologien zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Der erste und wichtigste Schritt sei es, sicherzustellen, dass Google überhaupt auf die Inhalte zugreifen kann. Publisher können dafür Tools wie die Search Console nutzen, um die Sichtbarkeit optimal zu steuern.
Google integriere außerdem zunehmend Funktionen in die personalisierte Suche wie zum Beispiel die bevorzugten Quellen bzw. Preferred Sources. Wenn es Publishern gelinge, eine starke Bindung und Vertrauen zu ihrem Publikum aufzubauen, können Nutzer sie als bevorzugte Quelle markieren. Selbst kleinere Nischen-Publisher können so ihrer spezifischen Zielgruppe viel präsenter angezeigt werden.
Publisher sollten sich nicht mehr nur auf Klickzahlen konzentrieren. Bounce Klicks würden durch KI eher reduziert. Stattdessen sollten Verlage eigene Messinstrumente nutzen, um hochwertige Interaktionen zu identifizieren:
- Verweilen die Nutzer länger auf der Seite?
- Werden sie zu Abonnenten?
- Handelt es sich um wiederkehrende Besucher?
Weil Nutzer zunehmend neue Wege der Informationsaufnahme fordern, sollten Publisher experimentieren und genau die Formate anbieten, die ihr Publikum sehen möchte, wie beispielsweise Videos.
Verlage sollten die von Google kürzlich aktualisierten Richtlinien für Webseitenbetreiber lesen und anwenden, um sicherzustellen, dass sie bestmöglich mit der Suchmaschine interagieren.
Bewertung
Websitebetreiber und Publisher müssen sich auf sinkende Klickzahlen aus Google einstellen. Das wird zum kleinen Teil durch hochwertigeren Traffic kompensiert, denn wer in Zeiten der KI-Suche klickt, hat normalerweise ein höheres Interesse.
Dennoch macht es sich Google hier zu einfach, denn letztendlich leben viele Publisher und Verlage nach wie vor vom Traffic, den sie aus der Suche erhalten. Google dagegen profitiert davon, dass immer weniger Nutzer das Ökosystem der Suche und des KI-Chats verlassen, ohne die Urheber dafür zu kompensieren - sieht man einmal von wenigen Verlagen ab, mit denen Google einen Vertrag abschließt.
So bleibt den Publishern nicht viel mehr, als zukünftig verstärkt neben der Suche auf andere Kanäle zu setzen, zu denen nach wie vor auch Google Discover zählt.

























