Gerade bin ich in der Community „SEO auf Deutsch“ in Google+ auf einen Post von Andre Alpar gestoßen. Darin wird ein Trend aufgezeigt, der in etwa wie folgt aussieht: Es gibt immer weniger interessante SEO-Postings, aber dafür immer mehr SEO-Wochenrückblicke. Damit wird auch implizit die Meinung vertreten, SEO-Wochenrückblicke seien nicht interessant. Die Fragen lauten: Sind SEO-Wochenrückblicke eine Bereicherung, oder sind sie ein inflationärer Trend, der nervt? Und: Wie muss ein Wochenrückblick aussehen, um einen Mehrwert zu bringen?
Zur Kritik
Zugegeben, auch mir ist aufgefallen, dass es mehr und mehr Blogger im SEO-Umfeld gibt, die zum Ende der Woche eine Zusammenfassung von aus ihrer Sicht interessanten Nachrichten bringen. Beispiele sind der Wochenrückblick der SEOnauten, von SEO Trainee oder Websitestartup. Auch ich gehöre zu diesen Bloggern. Jeweils am Freitag veröffentliche ich meine SEO-News. Ganz gut beaobachten lässt sich der Trend zu Wochenrückblicken auch auf Twitter und in Google+. Freitags vergeht kaum eine Minute ohne einen neuen Post zu einem SEO-Wochenrückblick.
Genau das hat Andre Alpar vermutlich umgetrieben, als er eine Grafik dazu auf Google+ gepostet hat:
Bild (C) Andre Alpar
In den Kommentaren zu diesem Beitrag wird den Bloggern nun teilweise fehlende Kreativität unterstellt. Statt eigene Themen zu erstellen, würden sich die Blogger nun eher auf Zusammenfassungen von Beiträgen anderer verlegen. Doch diese Kritik muss weiter gefasst werden. Ich bin sicher, wenn man einmal eine Statistik bilden würde, wie viele Beiträge nach dem Schema „5 Tipps für mehr Sichtbarkeit…“ etc. erstellt werden, sähe das Bild ähnlich aus – wenn nicht sogar noch schlimmer. Auch ich habe schon den einen oder anderen Beitrag nach diesem Schema erstellt. Doch ist das wirlich verwerflich?
Ist die Kritik gerechtfertigt?
Wenn ich mir die Statistiken anschaue, welche meiner Beiträge am häufigsten gelesen werden, dann stelle ich fest, dass dazu oft auch die Wochenrückblicke gehören. Es scheint also Menschen zu geben, die sich dafür interessieren. Überlegt man zusätzlich, woher die Kritik an den Wochenrückblicken stammt, dann sieht man, dass es die SEOs selbst sind, die sich daran stören. Klar, denn sie sind auch diejenigen, die sich tagein und tagaus mit eben diesen Themen beschäftigen müssen. Und wenn dann noch am Ende der Woche Zusammenfassung um Zusammenfassung auf sie einprasselt, dann haben sie auch irgendwann genug von den immer gleichen Themen.
Aber was ist mit den Lesern, die nicht jeden Tag ihre Nase in SEO stecken können oder wollen? Ist nicht für diese Leser eine Zusammenfassung der Woche eine gute Möglichkeit, mit vertretbarem Zeitaufwand auf dem Laufenden zu bleiben? Ich denke schon. Nur sollte eine Zusammenfassung einigen Qualitätsmerkmalen genügen, um einen Mehrwert zu schaffen
Anforderungen an einen guten Wochenrückblick
Zu einem fundierten Wochenrückblick zählt, dass der Autor stets auf dem Laufenden bleibt. Es müssen verschiedenste Quellen regelmäßig auf Neuigkeiten geprüft werden. Dazu zählen die einschlägigen SEO-Blogs, sowohl national als auch international, die sozialen Netze wie Google+, Twitter, Facebook und Co. sowie regelmäßige Lektüre der Fachliteratur online wie offline. Es genügt nicht, an einem Vormittag einen Wochenrückblick aus dem Boden zu stampfen. Beispielsweise schreibe ich jeden interessanten Link, der mir bei meinen Recherchen auffällt, in eine Liste und fülle diese im Laufe einer Woche.
Hintergrundinformationen sammeln
Zu einer guten Recherche gehört es auch, Hintergrundinformationen zu sammeln und möglichst mehrere Quellen zu einem Thema zu finden. Nur so lässt sich ein fundiertes Bild erzeugen, das auch verschiedene Perspektiven beleuchtet. Idealerweise ist der Autor auch in der Lage, eigenes Wissen und eigene Erfahrungen einfließen zu lassen. Die Informationen sollten nicht einfach in umformulierter Form dargestellt, sondern nach Möglichkeit auch mit einer Interpretation versehen werden.
Die Auswahl der wichtigsten Themen ist auch eine Leistung
Zu einem guten Wochenrückblick zählen außerdem die Selektion und Filterung. Die Leistung besteht darin, Nützliches von Nutzlosem, Interessantes von Belanglosem zu unterscheiden. Trends und Relevanz zu aktuellen Ereignissen sollten hier auch einfließen. Wenn zum Beispiel gerade eine Diskussion um das Leistungsschutzrecht läuft, sind Beiträge rund um dieses Thema zu bevorzugen. Hat Google gerade ein Update durchgeführt, werden sich die Beiträge eher darauf beziehen.
Fazit – Wochenrückblicke haben eine Existenzberechtingung, wenn…
Gut gemachte Zusammenfassungen bringen den Nutzern einen Mehrwert, solange sie nicht bloße Aneinanderreihungen von Links mit zwei Zeilen Text ohne eigene Gedanken sind. Das zeigen die eigenen Erfahrungen. Es wird meines Erachtens auch bei diesen Beiträgen eine Selektion stattfinden. Denn wenn man merkt, dass niemand mehr Interesse an den selbst erstellten Wochenrückblicken hat, wird man vermutlich auch keine mehr schreiben. Solange aber genügend Leser vorhanden sind, lohnt sich die Arbeit auch.
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